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Wirkungsstudie zu Gebietsreformen: Keine Kosteneinsparungen, aber Rückgang von kommunalpolitischem Engagement

PublicGovernance Herbst/Winter 2020

Hinsichtlich der kommunalen Finanzentwicklung seien nach den Gebietsreformen in den Jahren 1978 bis 2008 keine positiven Effekte zu beobachten gewesen. Jedoch hätte die Gebietsreform erheblichen negativen Einfluss auf den politischen Repräsentationsgrad gehabt: Während vor der Reform ein Kommunalpolitiker etwa 100 Bürger vertrat, stieg der Wert nach der Reform auf 700, so die Autorin der aktuellen Studie „Dörfer nach der Gebietsreform“.

Darin analysiert die Historikerin Julia Mattern die Auswirkungen der kommunalen Neuordnungen auf kleine Gemeinden in Bayern in den Jahren 1978 bis 2008. Das Ergebnis: Die Gebietsreform hat kommunales Engagement in den eingemeindeten Ortschaften zurückgedrängt und insbesondere kleinere Gemeinden, die in deutlich größere Kommunen eingegliedert wurden, waren teilweise nicht mehr durch einen Interessenvertreter im Gemeinderat repräsentiert. Deutlich positiver könnten der Studie zufolge der Zusammenschluss von Gemeindeverwaltungen, bei denen in kleinen Gemeinden die kommunalpolitische Verantwortung verblieb, sowie Zweckverbände bei Infrastrukturmaßnahmen bewertet werden. Hier werde die identitätsstiftende Wirkung einer eigenständigen Gemeinde nicht berührt.

Auch das Institut für den öffentlichen Sektor analysierte im Jahr 2016 in der Studie „Kommunen der Zukunft – Zukunft der Kommunen“ unter anderem die Gebietsreformen in Mecklenburg-Vorpommern. Zudem wurden im Policy Paper „Kreisgebietsreformen: So gehen Mandatsträger mit den Herausforderungen um“, ebenfalls aus dem Jahr 2016, die Auswirkungen der sächsischen Kreisgebietsreform untersucht.

Die kostenpflichtige Studie „Dörfer nach der Gebietsreform“ ist im Verlag Friedrich Pustet erschienen. Die Studie „Kommunen der Zukunft – Zukunft der Kommunen“ und das Policy Paper „Kreisgebietsreformen: So gehen Mandatsträger mit den Herausforderungen um“ können kostenfrei unter www.publicgovernance.de/fachpublikationen heruntergeladen werden.