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PublicGovernance Sommer 2018

In schrumpfenden Städten gehen die kommunalen Gesamtausgaben langsamer zurück als die Einwohnerzahl. Dadurch steigen die Ausgaben je Einwohner an. In wachsenden Städten bleiben die Kosten je Einwohner hingegen nahezu konstant. Dies sind aktuelle Forschungsergebnisse des ifo Instituts in Dresden.

Sofern in einer Gemeinde die Bevölkerungszahlen steigen, habe dies kaum Auswirkungen auf die Gesamtausgaben je Einwohner. Dieses Ergebnis entspreche der bisherigen Annahme aus Fachkreisen, dass sich die Ausgaben von Gemeinden weitgehend proportional zu ihren Bevölkerungszahlen verhalten. Verdopple sich zum Beispiel die Einwohnerzahl,  würden – bei gleichem Leistungsangebot – ungefähr auch die doppelte Infrastruktur und das zweifache Personal benötigt.

Die Forscher des ifo Instituts zeigten nun im Rahmen der Studie, dass dieser Effekt umgekehrt nicht gilt. Sie fanden heraus, dass in einer Gemeinde, deren Einwohnerzahl um ein Prozent schrumpft, die Gesamtausgaben je Einwohner um 1,8 Prozent zunehmen. Diese unterschiedliche Wirkung von Wachstum und Schrumpfung bezeichnen die Autoren als Kostenremanenz.

So könne zum Beispiel Personal, das in einer Wachstumsphase eingestellt wird, nicht sofort wieder entlassen werden, sobald die Einwohnerzahl zurückgehe. Außerdem könne aufgebaute Infrastruktur in Schrumpfungsphasen nicht problemlos zurückgebaut werden. So sei beispielsweise die Schließung einer
Schwimmhalle, die ursprünglich für eine größere Bevölkerungszahl gebaut wurde, politisch schwer durchzusetzen.

Die Untersuchung basiert auf Daten von bis zu 665 westdeutschen Städten mit mehr als 20.000 Einwohnern für den Untersuchungszeitraum 1950 bis 2012. Dabei zeigte sich auch, dass die Alterung der Gesellschaft nicht zu Veränderungen bei den kommunalen Ausgaben führt.

Die Studie „Kosten kommunaler Leistungserstellung unter dem Einfluss von demografischem Wandel und Urbanisierung“ ist auf der Website www.cesifo-group.de verfügbar.